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20.09.2018 09:29

Ein starkes Zeichen gegen Ausgrenzung

Festakt - Kant-Gymnasium in Boppard wird als „Schule ohne Rassismus“ gewürdigt

(Quelle: RHZ, Mittwoch, 19.September,Seite 17). Boppard. Gemeinsam gegen Ausgrenzung: Das Bopparder Kant-Gymnasium trägt seit dem vergangenen Donnerstag den Titel „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“. In einem Festakt wurde die Urkunde an die Schule übergeben und ein entsprechendes Schild enthüllt. Die Ideengeberin war am großen Tag zwar nicht dabei, wurde aber zurecht erwähnt: Jana Schneider war vor ihrem Abitur 2017 als Schülersprecherin Initiatorin des Weges, den die Schülervertretung nun erfolgreich gegangen ist: Im Beisein der Patin des Projekts, Bildungsministerin Stefanie Hubig, des Projektleiters der Landeszentrale für politische Bildung, Bernhard Kukatzki, sowie der Vertretern der Schulaufsicht und des Schulträgers begrüßte Schulleiter Wolfgang Spriewald die Schulgemeinschaft des Bopparder  Kant-Gymnasiums zur Titelverleihung.

Mit der Übergabe der Urkunde und der Enthüllung des Schildes wurde ein starkes Zeichen für den weiteren Weg gesetzt: Der Geist dieser Auszeichnung muss und soll weiter intensiv gelebt werden. Welch großen Anteil die Schülervertretung daran hat, würdigten alle Redner im Rahmen des offiziellen Festakts in der Aula des Kant-Gymnasiums, denn Lena Brunnhübner, Inka Untermair, Marc Brixius, Enrico Liesenfeld, Laurin Rüdel sowie die Verbindungslehrer Nicole Spitzley und Nils Giesing setzten sich über zwei Jahre gemeinsam mit Schülersprecherin Luna Mono in vielfältigen Projekten und Aktionen gegen Ausgrenzung jeder Art ein.

Einen Einblick in diese Arbeit lieferte Luna Mono in ihrer Rede. Dabei zeigte sie eindrucksvoll, wie die Theorie von Immanuel Kant, Namensgeber der Schule, mit dem Titel verbunden ist. „Diese Schule erhebt den Anspruch, Schüler als aufgeklärte Menschen zu entlassen. Menschen, die ihren eigenen Verstand nutzen und die Dinge kritisch hinterfragen, die sich nicht von Populisten, die so laut sind, deren Thesen so wunderbar einfach und doch so falsch sind, beeinflussen lassen“, sagte sie. Luna Mono erinnerte daran, dass die „Kantianer“ anderen Menschen offen und ohne Vorurteile begegnen sollten und natürlich wüssten, dass die Würde des Menschen unantastbar ist. „Immanuel Kant formuliert die Menschenwürde als etwas, das zu nichts nutze ist, weil sie sich nicht instrumentalisieren lässt, weil sie kein Mittel zum Zweck sein kann, sondern vielmehr ein Zweck an sich selbst ist. Das heißt, sie ist durch keinen höheren Zweck zu relativieren oder gar auszuschalten“, so die Schülersprecherin. Der Mensch sei der Würde verpflichtet, nicht weil er davon etwas habe, sondern weil es sie gebe. „In dem Wort Menschenwürde steckt das Wort Mensch. Das meint uns alle, ganz unabhängig davon, wo wir herkommen, wie wir aussehen, welchem Geschlecht wir angehören oder wen wir lieben. Wir erleben eine gesellschaftliche Entwicklung, die einem Angst machen kann, aber wir dürfen nicht ängstlich sein, sondern müssen jetzt mutig sein“, forderte die Schülerin.

Nicht nur der offizielle Festakt in der Aula, der durch den Chor der Schule eindrucksvoll eröffnet wurde, sondern auch die abschließende Ernennung als „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ durch die Enthüllung des Schildes und die Übergabe der Urkunde in der Pausenhalle in Anwesenheit aller Schüler, des gesamten Kollegiums sowie der Elternvertreter, machen diesen 13. September zu einem denkwürdigen Tag in der 250-jährigen Geschichte der Schule. Eine zwingende Voraussetzung, damit der Titel verliehen werden kann, ist, dass mindestens 70 Prozent aller Menschen an der Schule eine Selbstverpflichtung unterschreiben, die beinhaltet, sich in nachhaltig und in vielfältiger Form gemeinsam mit anderen gegen jegliche Form von Diskriminierung in der Schule zu engagieren. Wenn es eines Vorbilds bedarf, wie die Arbeit der Schülervertretung demokratische Beteiligung am Schulleben leisten kann und wie unverzichtbar diese als Teil einer auf unveräußerlichen Rechten aller Menschen fußenden pluralistischen Demokratie ist, kann dies kaum überzeugender geliefert werden.

13.09.2018 14:14

Wie ein Gymnasium in Boppard eine "Schule ohne Rassismus" wird

(Quelle: SWR - Aktuell)

In Rheinland-Pfalz gibt es 134 "Schulen ohne Rassismus - Schulen mit Courage". Heute folgt das Kant-Gymnasium in Boppard. Der Titel klingt gut, doch wie füllen ihn die Schüler mit Leben?

Es gibt eine Feierstunde, ein Schild, und als Patin wird Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) erwartet. Das Kant-Gymnasium in Boppard wird heute zur "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" gekürt, es ist die 135. in Rheinland-Pfalz. Die Freude bei den Verantwortlichen ist groß, doch Schulleiter Wolfgang Spriewald weiß auch: "Es macht keinen Sinn, den Titel zu bekommen, und dann ist das Projekt tot."

Damit es nicht so weit kommt, gibt es Menschen wie Luna Mono. Die 17-Jährige ist Schülersprecherin an dem Gymnasium und seit mehr als zwei Jahren an dem Projekt beteiligt. "Wir erleben eine gesellschaftliche Entwicklung, die einem Angst machen kann", sagt sie im SWR Aktuell-Gespräch über ihre Motivation. "Wir jungen Leute sind die Zukunft. Und wir wünschen uns eine Zukunft, die von Offenheit und Toleranz geprägt ist."

Mehr als 80 Prozent der Schülerschaft zogen mit

Also hat Mono mit Mitschülern und ihren Kollegen aus der Schülervertretung Unterschriften gesammelt. 70 Prozent der Schülerschaft waren nötig, um dem "Schule ohne Rassismus"-Netzwerk beitreten zu können. Etwas über 80 Prozent der mehr als 600 Kant-Schüler haben sich laut Mono beteiligt. "Das ging ja über die letzten zwei Jahre. Wir haben uns gesagt, wir müssen mit jedem einmal über das Projekt gesprochen haben."

Wie spricht man mit Fünftklässlern über Diskriminierung?

Dabei blieb es nicht bei Unterschriften und Absichtserklärungen. Als Schülervertretung seien sie mit anderen Schülern in alle Klassenstufen gegangen, um nicht nur über Rassismus, sondern Diskriminierung im Allgemeinen zu sprechen. Auch mit den Jüngsten. "Da lässt man Begriffe wie Rassismus, Sexismus oder Homphobie weg, damit können sie meistens noch nicht viel anfangen", schildert Mono. "Wir haben mit ihnen Bilder gemalt, Geschichten geschrieben, zum Beispiel über Freundschaften, die keine Hautfarbe kennen. Wir haben darüber gesprochen, wie es ist, gemein zu sein oder Vorurteile zu haben."

Gerade mit den jüngeren Schülern darüber zu reden, sei eine schöne Erfahrung gewesen. "Es hat mich überrascht, wie ehrlich und sensibel sie dabei schon sind", berichtet die 17-Jährige. So habe ein Mädchen erzählt, wie ihre große Schwester mit dem Berufswunsch Polizistin gefragt wurde, ob das denn für ein Mädchen wirklich das Richtige sei.

 

Multikulturelles Buffet (Foto: privat)

Einfache Idee, schnell umgesetzt: Multikulturelles Buffet am Kant-Gymnasium zugunsten eines guten Zwecks. privat

Vom Archivprojekt zur NS-Zeit bis zum internationalen Buffet

Bei den Älteren sei Rassismus freilich in den Gesellschaftswissenschaften ein Thema. Es gebe Fahrten in das frühere KZ Buchenwald, alle zwölften Klassen reisten nach Berlin. "Das ist eine intensive und prägende Erfahrung, das schafft kein Geschichtsunterricht", sagt Mono. Ein Projekt im Schularchiv beschäftige sich mit der Schule in der NS-Zeit sowie dem Schicksal jüdischer Schüler. Dazu kämen einfache Ideen, die schnell im Alltag umsetzbar seien - vom Konzert der Musikfachschaft bis zum multikulturellen Buffet zugunsten eines guten Zwecks.

Nach der Feierstunde soll es in den nächsten Wochen zu den neuen Fünftklässlern gehen, um mit ihnen über das Thema zu sprechen. Und das Archivprojekt werde weitergeführt, sagt Mono. "Auf den Seminaren der Schülervertretungen überlegen wir uns auch neue Ideen." Die Zwölftklässlerin ist überzeugt, dass die Arbeit weitergehen wird. "Es gibt ganz viele Ideen von den Schülern, da müssen wir eigentlich keine Sorgen haben."

Schild nicht im Flur, sondern über dem Eingang

Auch die Symbolik soll dem neuen Titel gerecht werden. Das Schild soll nicht neben anderen Auszeichnungen im Flur hängen, sondern direkt über dem Schuleingang. Luna Mono: "Wenn also jemand die Schule betritt, wird er immer daran erinnert: Wir sind eine Schule ohne Rassismus und eine Schule mit Courage."

Bundesweit rund 2.800 "Schulen ohne Rassismus"

"Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" ist ein Projekt des Vereins Aktion Courage e. V. und wurde in Deutschland 1995 ins Leben gerufen. Die zentrale Stelle für die Koordination des Netzwerkes ist in Berlin, die Kordination für Rheinland-Pfalz liegt bei der Landeszentrale für politische Bildung in Mainz. Bundesweit wenden sich in dem Netzwerk rund 2.800 Schulen mit Aktionen und Projekten gegen Diskriminierung - vor allem Rassismus, Mobbing und Gewalt. Mindestens 70 Prozent der Schulgemeinschaft müssen eine Selbstverpflichtung unterschreiben, wenn ihre Schule Teil des Netzwerks werden soll. Die Initiative gibt es auch in einigen anderen europäischen Ländern.

(Quelle: Öffnet externen Link in neuem Fensterhttps://www.swr.de/swraktuell/rheinland-pfalz/koblenz/Titel-fuer-rheinland-pfaelzische-Schulen-Wie-ein-Gymnasium-in-Boppard-eine-Schule-ohne-Rassismus-ist,schule-ohne-rassismus-102.html )

Bildungsministerin Dr. Stefanie Hubig kommt im Rahmen einer Feierstunde am 13.September 2018 ans Kant!

Ab sofort dürfen wir uns „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ nennen. Der Antrag der Schulgemeinschaft wurde positiv entschieden. Die offizielle Ernennung erfolgt in Anwesenheit der Schulpatin, Frau Ministerin Dr. Stefanie Hubig, im Rahmen einer Feierstunde am 13.September 2018.
Einzelheiten werden nach den Sommerferien bekanntgegeben.

Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage

Durch das großartige Engagement unserer SV und der gesamten Schülerschaft teilt die Bundeskoordinationsstelle aus Berlin mit Schreiben vom 19.04.2018 mit, dass unsere Schulgemeinschaft als Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage anerkannt worden sind. Das Engagement geht weiter...

Die offizielle Ernennung des Kant-Gymnasium Boppard zur „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ und die Überreichung eines Schildes erfolgen in Absprache mit der Schulpatin, Frau Bildungsministerin Dr. Stefanie Hubig, zu einem späteren Zeitpunkt.